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Seelsorge im Gespräch

Mit dem ersten Zug von Weiß beginnt jedes Schachspiel und gibt damit den Anstoß, ein spielerisches Mit- und Gegeneinander zu eröffnen, mal faszinierend kreativ, dann wieder ein einfallsloses und ermüdendes Hin- und Her-Geschiebe.

Der Anstoß zu einem Gespräch eröffnet ein Kommunikationsspiel. Auch dieses Spiel folgt Regeln und ist mal ein spielerisches Miteinander, dann ein kämpferisches Gegeneinander, mal überraschend kreativ, dann ein Hin und Her der jeweils als richtig behaupteten Argumente oder ein lähmendes einfallsloses Aneinander-vorbei-Reden.

Beim Schachspiel geht es darum, das königliche Gegenüber matt zu setzen. Anders im menschlichen Gespräch. Da ist das Ziel, sich mit dem menschlichen Gegenüber zu verständigen, sich wechselseitig zu beleben.

Menschen, die miteinander kommunizieren, fühlen sich wohl, wenn sie sich verstanden, angenommen fühlen, im Innersten geachtet und geliebt wissen. Das bestärkt sie in ihrem Selbstwertgefühl.

Ähnlich wie bei Schachspiel will das Kommunikationsspiel oft nicht so gelingen wie gedacht und gewünscht: So sehr sich die am Gespräch Beteiligten bemühen, eigentlich genau das zu vermeiden: es endet patt oder mit dem finalen Mattzug, obwohl Menschen eigentlich miteinander sprechen, weil sie sich danach sehnen, lebendige Nähe zu erfahren.

Um mich diesem Mühen und Sehnen zu nähern, habe ich mich gefragt, was erfahre ich in der Bibel über Kommunikation. Dabei bin ich im 1. Korintherbrief hängen geblieben und lasse ich mich von Paulus inspirieren. Paulus setzt sich argumentativ mit den Streitereien und Missverständnissen über Glossolalie in der Gemeinde auseinander und spürt im Gespräch, dass es auf ein Patt oder Matt hinausläuft; da gibt er den Gemeindemitgliedern einen neuen Anstoß (1.Kor.12,31):

Und ich will euch noch einen besseren Weg zeigen und beginnt sein Lied der Liebe mit folgenden Worten:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle (1.Kor. 13.1).

Ein Sprechen - ob von Philosophen oder Psychologen, von Therapeuten oder Seelsorgern, von Künstlern oder Predigern - , und sei es noch so durchdacht und sprachlich fein justiert, wird ohne Liebe zu einem dumpfen Geräusch, einem Wortgeklingel. Das ist dann nur so dahingesagt und erreicht den Menschen nicht. Sprechen, das die Seele, dem Feinsinnigsten im Menschen entspricht, erwächst aus dem Ungrund der Liebe.

Paulus charakterisiert Liebe als langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Die Trias Glaube, Hoffnung, Liebe wirkt ineinander und miteinander und lässt sich nicht voneinander trennen.

Ist diese Einstellung gegeben, ist es sinnvoll und hilfreich, sich Gedanken zu machen, was und wie Menschenzungen sprechen, um sich zu verständigen.

Es bereichert das Gespräch, ein offenes Ohr zu bewahren für die Laute der Engelszungen. Beides wird möglich, wenn aus dem Ungrund der Liebe die Haltung der Demut erwacht, sich im Sprechen behutsam dem Leben anzudienen und es zu stärken.

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